Wolfgang Loibl Gedichte

Gehorsam in der Krise

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Wir leben in einer der zivilisiertesten Gesellschaften dieser Welt, zumindest halten viele sie dafür und bis vor kurzem hat sich die Mehrheit darin recht wohl gefühlt. Und sicher. Vieles schien unter Kontrolle, vieles machbar und vieles planbar. 

Wir fühlten uns so sicher in diesem Fundament und hielten es für derart gerecht, dass wir jene, die es nicht taten in Kauf nahmen, einige auch bedauernd. Manche waren so sehr überzeugt, dass sie den Gestrandeten, den Schwachen, den Kranken, den Glücklosen, denen die nichts von dieser zivilisierten Gesellschaft hatten und von ihr hielten, mangelnde Anstrengung unterstellten. 

Jetzt aber bricht für sehr viele Menschen gerade der Boden unter ihren Füßen weg und er reißt Sicherheiten, Überzeugungen und Vertrauen erbarmungslos mit sich. Schlagartig sind auch jene betroffen, die sich existenzielle Bedrohung bis vor sehr kurzer Zeit gar nicht vorstellen konnten. 

Gleichzeitig blüht der Gehorsam. Eine ohnmächtige Ergebenheit gegenüber den lautesten Stimmen und es scheint beinahe egal, wovon sie erzählen. Wie kann es sein, dass wir die Eigenermächtigung so leicht aufgeben? Oder dachten wir nur, dass wir sie hätten, in Zeiten der Sicherheit? Wie finden wir Wesentlichkeit und Bestätigung – und damit Vertrauen – in uns selbst, statt in den Schwachen oder Starken, jedenfalls im Anderen?

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Wolfgang Loibl

Freischaffender Maler, selbständiger Grafiker, Visionssuchebegleiter der Shambhala Wilderness Schule und ich schreibe gerne.

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